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Alemannischer Fasnetsmendig-Umzug in Freiburg 2002
 


( Meine Liebsten, denn ich finde "Blau" so schön:
"Blaue Narre", ©bornsteinchen2002)

Entwicklungsgeschichte:
Vom christlich kath. "Karneval" hin zur alemannischen "Fasnet"

Schon im Mittelalter und in der frühen Neuzeit kannte man das "Fastnacht machen" als kirchliches Brauchtum. Aber erst im Jahre 1889 formierte sich in Freiburg ein Karnevalsverein mit Elferrat, der einen ersten organisierten Umzug ins Leben rief.

1927 gründete sich dann die "Große Freiburger Karnevalsgesellschaft", die jedoch bereits 2 Jahre nach ihrem Bestehen ein finanzielles Desaster erlebte, von dem sie sich nicht mehr erholte. Ein besonders eisiger Winter war damals Schuld daran, dass das groß angelegte Fastnachtsspiel nur wenig Zuspruch fand.

In der Bevölkerung war zur selben Zeit schon der Trend zurück zum Volks- tümlichen, zu den rein alemannischen Bräuchen, zu spüren, das heißt ganz weg von den christlich katholischen Wurzeln.
Um die Verbindung zur christlichen Fastenzeit aufzulösen, wurde bei dem Begriff "Fastnacht" fortan das "t" aus gelassen und die "Fasnacht" nun abgeleitet von dem germanischen Wort "faseln", das soviel bedeutet wie "fruchtbar sein". Seitdem gilt die "Freiburger Fasnacht" also als heidnischer Brauch, als Frühlings- bzw. Fruchtbarkeitsritual.

In den 30er Jahren wurde die
Breisgauer Narrenzunft (BNZ) als Träger der schwäbisch-alemannischen Volksfasnet gegründet. Zwar hat die BNZ einige der früheren karnevalistischen Elemente übernommen, zum Beispiel den Elferrat und den Rosenmontagsumzug (alemann.: "Fasnetsmendigumzug"), aber die alemannische Narrenfigur mit Häs (=Kostüm) und Maske wurde in den Vordergrund gestellt. Zudem wurde der Narrenruf "Helau" durch das alemannische "Narri-Narro" ersetzt.

 


(©bornsteinchen2002)
 

Beim Fasnetsumzug sieht man viele phantasievolle, liebenswürdige (siehe oben) oder furchterregende (siehe unten) Laufnarren. Sie verkleiden sich gänzlich, wollen unerkannt bleiben und verbergen daher ihr Gesicht hinter einer Holzmaske.
Zur vollständigen Verdeckung ihrer Person tragen alle Mitglieder einer Zunft das gleiche Häs, zu dem auch Accessoires wie einheitliche Kopfbedeckung, Fußbekleidung (z.B. Strohschuhe) und Handschuhe gehören.



(©bornsteinchen2002)


 ( Aus meinem Stadtviertel: die "Wetterhexe",
©bornsteinchen2002)
 

Früher war die Fasnet eine gehütete Männerdomäne, selbst die traditionellen Frauengestalten (Hexen,...) wurden von ihnen verkörpert.
Einige traditionelle Zünfte, wie z.B. die "Fasnetrufer" nehmen noch heute ausschließlich Männer auf.

Die wichtigsten Figuren der alemannischen Fasnet sind:

  • Weißnarren: Zu ihnen zählen die verschiedenen Hansele und Flecklenarren (auf den beiden oberen Bildern zu sehen). Sie sind lustig und liebevoll und tragen ein besonders buntes Narrenkleid. Um den Winter auszutreiben, tragen sie oft Schellen am Kostüm oder machen mit Rätschen Krach.
  • Hexen und Teufel: Sie sind die Personifikation alles Wilden und Bösartigen, ziehen oft mit ihren Besen umher und führen Streckscheren, Peitschen und andere Schreckutensilien mit sich.
    Bei den Umzügen klauen sie außerdem gerne den Schaulustigen Kopfbedeckungen, Haargummis, Schuhbänder etc., und manch ein Zaungast fand sich auch schon im Fischernetz gefangen oder durch eine "Weihnachtsbaum-Netzmaschine" geschoben und gut verschnürt wieder. Unangenehm sind auch die mitgeführten knallenden Schweinsblasen, die aussehen wie verschrumpelte Luftballons (siehe unten) und sich ziemlich eklig anfühlen.

 


(©bornsteinchen2002)

 

  • wilde und sanftmütige Tiergestalten
  • Hästypen, die örtliche Sagengestalten, Berufsstände oder Neckfiguren abbilden


(©bornsteinchen2002)

Sind sie nicht "goldig"???


 (©bornsteinchen2002)

 
( ©bornsteinchen2002)


( ©bornsteinchen2002)

Die Hästräger bewegen sich während des Fasnetumzuges entsprechend der von ihnen personifizierten Figur: Hansele hüpfen fröhlich, Hexen und Teufel rennen wild umher, reiten manchmal auch auf ihrem Besen, Katzen und andere Tierfiguren krabbeln auch mal ein Stück auf allen Vieren.

Der Narrenumzug wird von den "Guggenmusikern" begleitet, das sind Musikgruppen nach Schweizer Vorbild.

Dem, der sich für die alemannische Fasnet interessiert, empfehle ich bei einem Freiburg-Besuch das Fasnetmuseum in der Turmstraße (ganz in der Nähe des Rathauses).

Einige geschichtliche Informationen habe ich aus folgenden Literaturquellen entnommen:

  • Horst Tries: "Fasnet". Rombach Verlag, Freiburg 1990
  • Peter Kalchthaler: "Von der Fastnacht zur Fasnet"
    in: ZUS (Zeitung zum Sonntag), 18.02.2001
     

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